Gerhard Richter – Die Kunst des Zufalls

Gerhard Richter –
Die Kunst des Zufalls.

11.263 Glasquadrate, 72 Farbtöne – und keine einzige Figur.

Für viele Besucher gehört das Richter-Fenster zu den eindrucksvollsten Erlebnissen im Kölner Dom.
Wer vor dem imposanten Fenster steht, sieht zunächst Farben die sich mit dem Licht, der Tageszeit und dem eigenen Blickwinkel verändern.

Für das Südquerhaus des Kölner Doms schuf Gerhard Richter ein Fenster, das mit einer jahrhundertealten Bildtradition bricht und ihr zugleich verbunden bleibt. Statt Heiligen, Symbolen oder erzählenden Szenen bestimmen Farbe, Struktur und Licht das Bild.

Gerhard Richter zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. In seinem vielseitigen Werk hat er sich nie auf eine einzige Ausdrucksform festgelegt. Immer wieder sucht er neue Wege, unseren Blick auf Bilder zu verändern. Dabei gibt seine Kunst selten eindeutige Antworten vor – sie lässt Raum für das eigene Sehen und Empfinden. Ein Gedanke, der auch das Richter-Fenster prägt.

Gerhard Richters Gemälde „4900 Farben“: ein großformatiges Raster aus bunten Farbquadraten an einer weißen Museumswand, davor stehen drei Besucher und betrachten es.
Gerhard Richter: „4900 Farben“, Museum Ludwig, Köln, 2007. Foto: © Hubert Becker

Seinen Ausgangspunkt nahm Richter bei seinem früheren Werk „4096 Farben“, aus dessen künstlerischem Konzept auch die hier abgebildete Arbeit „4900 Farben“ hervorging. Ein Computer erzeugte zunächst unterschiedliche Anordnungen der Farbflächen. Doch was nach reinem Zufall klingt, war keineswegs sich selbst überlassen: Sobald sich Muster, Figuren oder vermeintliche Botschaften abzeichneten, griff Richter ein. Zufall wurde zum gestalterischen Prinzip – und Kontrolle zu seinem Gegenpart.

Auch die 72 Farbtöne erzählen von diesem Spiel zwischen Alt und Neu. Sie greifen die historischen Farbwelten der Domfenster auf, erscheinen hier jedoch in einer radikal zeitgenössischen Ordnung.

Und dann kommt das Licht.

Farbige Lichtflecken des Richter-Fensters auf Pfeilern und Wänden im Inneren des Kölner Doms.
Köln, Dom, Innenraum, Südquerhaus, Reflexionen des Südhausquerfensters im Triforium Ó Entwurf: Gerhard Richter, Köln; Foto: Hohe Domkirche Köln; Jennifer Rumbach

Erst im Kölner Dom entfaltet das Fenster seine eigentliche Wirkung. Sonnenstrahlen treffen auf Glas, Farben verändern sich, wandern über Stein und Gewölbe und lassen den Raum immer wieder anders erscheinen. Das Werk bleibt dasselbe – und sieht doch niemals gleich aus.

Man möchte sich manchmal gar nicht eingestehen, dass dies eine ganz tolle Sache ist. Der Dom steht da ewig, und da so ein öffentlich wirksames Fenster, dazu noch das Südfenster, wo die Erstrahlung gegeben ist – das ist schon ein Geschenk.
Gerhard Richter

Vielleicht ist das eine der schönsten Besonderheiten des Richter-Fensters: Es erzählt keine Geschichte. Es schafft einen Raum für die eigene Erfahrung.

Diese außergewöhnliche Welt aus Farbe und Licht bildet die Inspiration für unsere Kunstdose.

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